Rückblick und Erinnerungen - Die Jahre 1939-1945

Die Folgezeit von 1939-1945 war auch für die Turnerschaft recht schwer und bitter. Fast alle Turner wurden einberufen. Man mußte den Turnbetrieb von Rommerskirchen nach Haus Lütz verlegen, weil Vereinszimmer und Lokal beschlagnahmt wurden. Eine Versammlung mußte stehenden Fußes absolviert werden, da keine ausreichende Anzahl von Stühlen vorhanden war. Alt und Jung waren allein Hoffnung und Stütze der Turnerschaft.

Um nach außen zu beweisen, daß der turnerische Geist nicht kleinzukriegen ist und daß man nicht aufgeben wollte, trotz allem voller Hoffnung war, wollte die Turnerschaft am 25. Juli 1943 ein Alterstreffen durchführen. Leider mußte es wegen "höherer Gewalt" abgesagt werden. Die Vereine aus Neuss, Grevenbroich, dem Grenzland und aus Rheydt sowie aus Mönchengladbach durften "wegen der Ereignisse in letzter Zeit" nicht teilnehmen. So heißt es im Protokoll.

In der Turnerschaft gab es auch Soldatenbetreuer. Heinz Siemes und Wilhelm Lützenkirchen hielten während des Krieges mit allen Turnern engen Kontakt.
Am 20. Februar 1944 fand die vorläufig letzte Versammlung statt. Nur ein paar "Alte" waren noch übriggeblieben. Ein geregelter Turn- und Übungsbetrieb war unmöglich geworden. Als Vereins- und Protokollführer unterzeichnete Heinrich Kempkens die letzte Niederschrift.

Wer glaubte, die Turnerschaft sei tot, der hatte sich geirrt.
Am 21. September 1945 bereits trafen sich bei Rommerskirchen 23 ehemalige Mitglieder der Turnerschaft Germania Mönchengladbach-Neuwerk 1898 zu einer außergewöhnlichen Versammlung, um dem Verein neues Leben zu geben. Zum größten Leidwesen aller stellte man fest, daß 24 Kameraden Opfer der Krieges geworden waren.
Bewährte Leute wie Lambert und Peter Deussen, Matthias Keuren, Peter Melchers, Dr. August Beckmann, Heinrich Coenen, Heinz Klein, Heinz Göbbels, Hans und Willi Kremer, Hans Schommer, Johann und Peter Walbergs, Willi Vander, Michael Weeger, Theo Krings und viele andere fanden sich nach und nach wieder zu Hause ein und sorgten für neuen Auftrieb.
Es gab so viele Anfangsschwierigkeiten zu überwinden, daß man wohl überlegen mußte, was zweckmäßig zuerst zu tun sei.
Auf Befehl der Militärregierung mußten alle Vereine aufgelöst werden, die vor dem 1.5.1945 bestanden hatten. Ihr Eigentum war beschlagnahmt, ihre Konten waren eingefroren.
Auf Grund dessen wurde auf der außergewöhnlichen Generalversammlung am 6.9.1946 bei Rommerskirchen die Turnerschaft Germania Mönchengladbach-Neuwerk 1898 aufgelöst. Am gleichen Abend, zur gleichen Stunde fand eine Gründungsversammlung statt. Der Titel der Turnerschaft wurde nur geringfügig geändert. Man einigte sich auf den Namen "Turnerschaft Neuwerk 1898".
Das war ein neuer Anfang.

Am 4.10.1946 bereits wurde die Neugründung der Damenabteilung vollzogen. Sie wurde fachkundig geführt von Franziska Waida. Aus dieser Abteilung gingen Turnerinnen und Leichtathletinnen hervor und eine Damen-Handballmannschaft, die bald beachtenswerte Erfolge vorweisen konnte.

Da in der ersten Zeit alle Säle belegt waren, mußte der Turnbetrieb vorläufig ruhen, und man widmete sich mit Hingabe dem Handballspiel. Nach ersten Mißerfolgen gelang dann plötzlich der große Durchbruch. Die Turnerschaft wurde 1947 Kreismeister und ihr gelang der Aufstieg in die Bezirksklasse. G. Eilhardt, P. Flohberg, H. Göbbels, H. Klein, H. Lemler, H. Pöschke, H. und W. Kremer, Th. Krings, F. Schneider, M. Weeger, H. Weuthen und W. Wondorf erspielten damals die erste Kreismeisterschaft.

Auch die Leichtathleten nahmen den Übungsbetrieb wieder auf. Am 4. Aug. 1946 fanden die ersten Vereinsmeisterschaften statt. Die Entscheidung um den ersten und zweiten Platz fiel so knapp aus wie nie zuvor. Hanns Weuthen wurde mit einem Punkt Vorsprung Sieger vor Hans Kremer, und er erhielt Siegerurkunde und Wanderpreis.
Allmählich fanden sich so viele Turner ein, daß man wieder eine erste Riege aufstellen konnte. Peter Deussen und Matthias Keuren bemühten sich sehr darum. Aber was können Turner ohne Saal und ohne Turnhalle schon viel anfangen? So begannen sie zunächst bei Könes "Ännchen", dann wanderten sie nach Krahe, nach Haus Lütz, nach Rommerskirchen und schließlich nach Häskesberg und Maas-Leuer, weil alle Säle nach und nach umgestaltet und anderer Benutzung zugeführt wurden. Man war für einige Jahre "heimatlos", bis endlich, nach langem Warten - 1958-1961 - die Mehrzweckhalle erbaut wurde. Dieses Thema wird der Chronist später noch einmal aufgreifen.

Hatten die Handballer große Schwierigkeiten, sich das entsprechende Schuhwerk zu beschaffen, so konnten die Turner im folgenden kalten Winter 46/47 nicht üben, da das Heizmaterial für die Öfen nicht beschafft werden konnte. Eine Altpapieraktion wurde gestartet, um Schreibmaterial für die Vereinsführung zu beschaffen.
Trotz dieser Schwierigkeiten nahmen die Turner der Turnerschaft Neuwerk im Juli 1947 an den Stadtmeisterschaften teil.
Stadtmeister im Geräteturnen wurde Dr. August Beckmann, Alfred Schneider in Hochsprung und im Diskuswurf. Heinz Göbbels wurde 1. Sieger in der Unterstufe bei den Kreisgerätemeisterschaften 1947 in Viersen, und Peter Melchers belegte einen hervorragenden 8. Platz.

Im September 1947 übernahm Hanns Weuthen die Leitung der Jugendabteilung. Zur gleichen Zeit wurde eine Kinderabteilung gegründet, die in kurzer Zeit auf 180 Mitglieder anwuchs. Die kleinen Mädchen wurden von Gertrud Klinken und Käthe Weuthen betreut. Da sehr viele Jungen sich für Handball interessierten, konnten vier Mannschaften aufgestellt werden, die Hermann Hähner trainierte.
Die geleistete Arbeit der Turnerschaft Neuwerk war so vorbildlich, daß der Verein gebeten wurde, das erste Kreisfest nach dem Krieg durchzuführen.
Der Erfolg war unerwartet groß. Am 13. und 14. November 1948 beging die Turnerschaft Neuwerk 1898 ihr 50.Stiftungsfest. Es war ein glanzvolles Fest, bei dem die Rheinlandriege nicht nur zu Gast war, sondern das Programm maßgeblich mitgestaltete.

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